"Der grosse Trip zu dir selbst" von Cheryl Strayed (Rezension)

Ein Buchtipp in Zusammenarbeit mit Spuren. Rezension von Sagita Lehner

Der große Trip zu dir selbst

Cheryl Strayed

Kartoniert

€ 14,99 inkl. MwSt.
Bis zu ihrem 26. Lebensjahr hatte Cheryl Strayed nicht viel getan, wozu ihr irgendjemand geraten hätte. Und sie hatte vieles erlebt, das man niemandem wünschen würde. Als sie sich dann ohne jede Erfahrung dem erbarmungslosen Fernwanderweg Pacific Crest Trail aussetzte, sahen sie viele schon ins Verderben laufen. Doch für die «Frau mit dem Loch im Herzen» wurde diese Reise zum Wendepunkt ihres Lebens – und nicht nur für sie: Cheryls 2013 erschienene Autobiografie «Der grosse Trip» wurde überraschend zum Leitstern einer verlorenen Generation und liess Hunderte junger Frauen die Wanderstiefel schnüren. Als Cheryl Strayed gefragt wurde, ob sie die Nachfolge für einen Ratgeberblog antreten wolle, sagte sie spontan zu – und bereute es sogleich. Was sollte sie den Menschen sagen, war sie es doch, die nach Antworten suchte. Cheryl ist keine Psychologin, kein Guru und nicht mal eine klassische Kummerkastentante – aber: sie ist Mutter, Ehefrau, Exfrau, Exdrogensüchtige und Abenteurerin. Sie hatte eine verkorkste Kindheit, verlor früh ihre Mutter und drohte mehrmals unter alledem zusammenzubrechen. Die Antworten, die sie als Ratgeberin erteilt, sind ehrlich, direkt und zeugen von eigener Erfahrung. Nun zeigt «Der Grosse Trip zu dir selbst» eine Auswahl der Briefe, die Cheryl nachts wach hielten und sie so dringend nach einer Antwort suchen liessen, als wären es ihre eigenen Fragen.

Leseprobe aus Der grosse Trip zu dir selbst von Cheryl Strayed

Die Schöne und das Biest

Hallo, Cheryl!

Ich bin ein durchschnittlicher sechsundzwanzig Jahre alter Mann und falle nur dadurch aus dem Rahmen, dass ich unglaublich hässlich bin. Ich hasse mich nicht deswegen, und ich habe auch keine Dysmorphophobie. Ich bin mit einer seltenen Blutkrankheit auf die Welt gekommen, die von klein auf ihr Unwesen mit meinem Körper getrieben hat. Mit dem Endergebnis, dass ich jetzt mit Missbildungen und Gelenkabnormitäten leben muss. Mein Körper ist auf der einen Seite im Vergleich zur anderen ganz verkümmert. Aus mir wäre auch ohne diese Krankheit nicht gerade eine Schönheit geworden, aber mit normaler sportlicher Betätigung oder Physiotherapie ist da nichts zu machen. Dazu kommt, dass ich ein paar Kilo zu viel auf den Rippen habe, aber das sollte ich zugegebenermaßen eigentlich in den Griff kriegen. Ich esse nicht sonderlich ungesund, aber wie die meisten könnte ich auch einfach mal weniger essen.

Ich bin nicht auf eine interessante, geheimnisvolle Art hässlich, so, wie ein paar von den berühmten Schauspielern. Ich sehe aus nach dem, was ich bin: ein gezeichneter Mann.

Mein Problem – und mein Problem mit den meisten Beratungsstellen – ist, dass es für Menschen wie mich nicht viel Abhilfe gibt. In Filmen werden hässliche Figuren erlöst, indem sie gerade noch rechtzeitig schön werden, um die Aufmerksamkeit ihrer Angebeteten zu erregen, oder ihre Hässlichkeit war nur ein Witz (und eigentlich sehen sie ganz anders aus). Im praktischen Leben schärft man uns ein, dass Persönlichkeit mehr zählt als Aussehen, aber es gibt auch jede Menge attraktive (oder zumindest normal aussehende) Leute, die nebenbei auch noch ganz anständige Menschen sind. Was bleibt da noch für Menschen wie mich, die niemals auch nur im Entferntesten attraktiv sein werden und auch innerlich nur Durchschnitt sind?

Ich bin ein glücklicher Mensch, habe ein erfülltes Leben und gute Freunde. Ich habe flexible Arbeitszeiten, sodass ich genug Zeit fu?r meine Hobbys habe, und mein Arbeitgeber hat viel Verständnis, wenn ich mal aus gesundheitlichen Gru?nden nicht erscheine. Nur wenn es um die Liebe geht, habe ich das Nachsehen. Ich habe aber keine Lust, dass mein ganzes Leben ohne diese Art von Liebe an mir voru?bergeht. Ist es besser, diesen Teil von mir zu unterdru?cken und meine Zeit und Energie auf das zu konzentrieren, was funktioniert, oder soll ich die Partnersuche mal ganz anders angehen? Online-Dating geht bei meinem Aussehen gar nicht. Im direkten Kontakt reagieren die Leute positiv auf mein aufgeschlossenes Wesen, wu?rden mich aber wohl kaum als Liebhaber in Betracht ziehen.

Ich bin offen für neue Ideen. Wenn du allerdings findest, hier ist Hopfen und Malz verloren, sag es mir rundheraus, damit ich mir nicht weiter irgendwelche Hoffnungen mache. Danke fu?r deine Hilfe.

Hinkebein

Hallo, Hinkebein!

Ich hatte mal einen Bekannten, der nahezu am ganzen Körper schwere Verbrennung erlitten hatte. Sechs Wochen nach seinem fünfundzwanzigsten Geburtstag war es passiert. Er hatte nicht gemerkt, dass an seinem Ofen die Gasleitung undicht war, zündete ein Streichholz an, und die ganze Küche flog in die Luft. Um ein Haar wäre er dabei ums Leben gekommen. Als er vier Monate später aus dem Krankenhaus entlassen wurde, waren seine Nase, Finger und Ohren verbrannte Knubbel, und seine Haut war eher Leder als Fleisch, wie bei einer pinkfarbenen Echse, die mit fiesen weißen Streifen glasiert ist.

Nennen wir ihn mal Ian. »Ich bin ein feuerspeiendes Monster!«, brüllte er meinen Kindern zu, als er Thanksgiving vor zwei Jahren am Rand ihres Bettes kauerte. Sie kreischten vor Vergnügen und gespielter Angst: »Monster! Monster!« Ian sah mich an und dann meinen Liebsten, und wir brachen alle drei in schallendes Gelächter aus. Und weißt du, wieso? Weil er tatsächlich ein feuerspeiendes Monster war. Meine Kinder hatten ihn nie anders gekannt, ebenso wenig wie mein Liebster und ich. Ich glaube auch, dass Ian selbst nicht mehr wusste, wer er vor den Verbrennungen gewesen war.

Er war ein Mann aus dem Feuer. Und wegen des Feuers war er außerdem ein reicher Mann, da er von dem Gasunternehmen eine Entschädigung bekommen hatte. Aufgewachsen war er in der unteren Mittelschicht, aber als ich ihn kennenlernte – da war ich siebenundzwanzig und er einunddreißig –, gefiel er sich in der Rolle des Snobs. Er leistete sich erlesene Speisen und maßlos überteuerte Getränke. Er sammelte Kunst und hängte sie in eine Reihe von schicken Lofts. Er trug teure Klamotten und fuhr in schicken Autos durch die Gegend. Er badete im Geld. Er sagte oft, etwas Besseres als der Unfall hätte ihm gar nicht passieren können; wenn er die Zeit zurückdrehen könnte, würde er das Streichholz nicht ausblasen. Denn dann würde er ja das ganze Geld verlieren, das ihm so viel Glück beschert hatte. Er habe ein fantastisches Leben, sagte er, und sei dankbar dafür.

Da war nur eine Sache. Eine klitzekleine Sache. Er bedauerte, dass es für ihn keine Liebe gab. Keine romantische Liebe. Sex. Liebe, Liebe, Liebe. »Aber das kannst du doch haben!«, beharrte ich, obwohl es mich bei unserer ersten Begegnung ziemliche Überwindung gekostet hatte, nicht beiseite zu sehen. Genau genommen bot er nämlich tatsächlich einen grausigen Anblick. Sein Körper war wie eine raue und doch auch zarte Illustration des entsetzlich Qualvollen und verzerrt Vertrauten.

Ich habe ihn kennengelernt, als ich in einer französischen Schickimicki-Bar kellnerte. Er war dort Stammgast. Er saß in der Nähe der Stelle, an der ich meine Drinks bestellen beziehungsweise abholen musste, und dabei habe ich ihm immer mal wieder einen Blick zugeworfen. Während er zwanzig Dollar teure Tequilas trank und ausgefeilt kreierte Pasteten aß und ich zwischen Bar und Tischen hin und her fegte, plauderten wir über Bücher, Kunst und Schuhe. Nach einer Weile war er für mich mehr als nur ein Gast, zu dem ich freundlich sein musste. Er wurde ein Freund. Inzwischen hatte ich schon vergessen, dass er aussah wie ein Monster. Es war total irre, aber als ich ihn erst einmal richtig kannte, hatte sich meine Sicht auf Ian von Grund auf geändert. Statt des verbrannten Gesichts nahm ich nur noch die strahlend blauen Augen wahr, statt der vernarbten, verstümmelten Hände den Klang seiner Stimme. Es war nicht so, dass ich sein verunstaltetes Äußeres gar nicht mehr bemerkte. Es war immer noch da in all seiner bizarren Pracht. Aber daneben war noch etwas anderes, etwas Urspru?nglicheres: seine Schönheit.

Ich war nicht die Einzige, der das auffiel. So viele Menschen liebten Ian. Und wir haben ihm immer wieder versichert, dass unsere Liebe der Beweis dafür sei, dass eines Tages jemand ihn lieben werde. Nicht so, wie wir es taten – nicht nur als Freund –, sondern auf diese Art.

Ian wollte nichts davon wissen. Schon allein der Gedanke, einen festen Freund zu haben, erschien ihm unerträglich. Er hatte sich schon seinerzeit im Krankenhaus entschieden, dass romantische Liebe für ihn ein für alle Mal tabu war. Niemand wu?rde einen so hässlichen Mann lieben, so dachte er. Als ich ihm das ausreden wollte, sagte er, ich hätte ja keine Ahnung, wie wichtig in der Schwulenszene das äußere Erscheinungsbild sei. Auf meinen Einwand, es werde doch wohl auf diesem Planeten ein paar Männer geben, die bereit seien, einen Mann mit verbranntem Körper zu lieben, entgegnete er, er werde sich mit den gelegentlichen Diensten eines Strichers begnu?gen.

Als ich daraufhin sagte, dass seine Weigerung, sich zu öffnen, meiner Meinung nach auf Angst beruhe und eine Überwindung dieser Angst der letzte Baustein sei, damit das Trauma seines Unfalls heilen könne, erklärte er das Thema für beendet. Und das war es dann auch.

Eines Tages gingen Ian und ich nach Feierabend noch auf einen Drink in eine andere Bar. Als wir uns hingesetzt hatten, sagte er, dass es der Jahrestag seines Unfalls sei. Ich fragte ihn, ob er mir die ganze Geschichte erzählen wolle, und das tat er dann auch. Er war gerade aufgewacht und schaute in Gedanken versunken auf eine Rolle Cracker auf der Arbeitsplatte, als seine Küche in einer blauen Flamme aufging. Erstaunt nahm er noch wahr, wie die Cracker und die Hülle sich in Windeseile auflösten und verschwanden. Es kam ihm wunderschön, fast magisch vor, und im nächsten Augenblick wurde ihm dann bewusst, dass er ebenfalls von der blauen Flamme verschlungen wurde und anfing, sich aufzulösen. Er schilderte mir, wie er auf den Boden fiel und stöhnte und wie sein Mitbewohner sich nicht traute, zu ihm zu kommen, und ihm stattdessen aus einem anderen Zimmer tröstende Worte zubru?llte. Erst Leute, die draußen vorbeigegangen waren und gesehen hatten, wie die Fenster aus seiner Wohnung gerissen wurden, riefen die Feuerwehr. Er erzählte, dass die Sanitäter liebevoll mit ihm sprachen, während sie ihn auf einer Trage die Treppen runtertrugen, dass einer von ihnen ihm sagte, er werde möglicherweise sterben, dass er bei dem Gedanken laut aufschrie und dass seine eigene Stimme das Letzte sei, an das er sich erinnerte, bevor er für Wochen das Bewusstsein verlor.

Er hatte niemals einen Liebhaber. Er war zufrieden. Er war auch traurig. Er war kleinlich und gütig. Er war manipulierend und großzügig. Er war sarkastisch und charmant. Er zog von einem coolen Loft ins nächste und tauschte die gesamte Farbgebung aus. Er trank und hörte auf zu trinken und fing wieder damit an. Er kaufte Originale und eine spezielle Hunderasse. Er machte einen Haufen Geld in Immobilien und verlor einen weiteren Haufen davon bei einem Börsengeschäft. Er versöhnte sich wieder mit Menschen, die er liebte, und entfremdete sich von anderen. Er rief mich nicht zurück, las mein erstes Buch und schickte mir eine ganz liebe Karte. Er schenkte meinem ersten Kind eine schicke, su?ndhaft teure Babyhose, seufzte und sagte, er hasse kleine Kinder, als ich ihm erzählte, dass ich mit dem zweiten schwanger sei. An Thanksgiving brüllte er herum, kauerte sich unters Bett, erklärte, er sei ein feuerspeiendes Monster und lachte mit allen Erwachsenen, die den Witz verstanden hatten.

Und nicht mal einen Monat später – eine Woche vor Weihnachten, im Alter von vierundvierzig –, brachte er sich um. Er hinterließ nicht mal einen Abschiedsbrief.

Ich habe viel darüber nachgedacht, warum Ian Selbstmord beging, und ich habe wieder daran gedacht, als ich deinen Brief las, Hinkebein. Es wäre so einfach, Ians Tod auf dieses Streichholz zurückzuführen, von dem er behauptet hatte, er würde es nicht ausblasen, wenn er könnte. Das Streichholz, das ihn zum Monster machte und damit ungeeignet fu?r die romantische Liebe, gleichzeitig aber auch reich und damit glücklich. Dieses Streichholz ist so verführerisch symbolisch, wie etwas Hartes, Goldenes im Märchen, das einen seiner Macht entsprechenden Preis fordert. Aber ich glaube nicht, dass man Ians Tod darauf zurückführen kann.

Ich glaube, er ist auf seine Entscheidung zurückzuführen, sich der Liebe zu verschließen, sich nicht einmal die Chance auf etwas so Essenzielles zu gönnen wegen etwas so Oberflächlichen wie sein Aussehen. Und deine Frage an mich – ihr Herzstu?ck – dreht sich um das Gleiche. Sie lautet nicht: Werde ich jemals jemanden finden, der mich begehrt?, (obwohl ich auch diese Frage berechtigt finde und später noch beantworten möchte), sondern vielmehr: Bin ich fähig, das zuzulassen? Da mu?ssen wir ansetzen. Du wirst niemals meinen Segen dafür kriegen, dich von der Liebe abzuschotten und aufzugeben. Niemals. Du musst alles tun, um zu bekommen, was du willst und brauchst, um »diese Art von Liebe« zu finden. Irgendwo wartet sie auf dich.

Ich weiß, es ist arrogant von mir, so etwas zu sagen, denn was weiß ich schon, wie es ist, wie ein Monster auszusehen. Gar nichts. Aber ich weiß, dass wir auf der Welt sind, wir alle – Monster und Schönheiten und Mauerblümchen gleichermaßen –, um unser Bestes zu geben. Und jeder Einzelne von uns bringt mehr zustande, als einfach aufzugeben. Du ganz besonders. Jeder, der mit diesem Aussehen sechsundzwanzig Jahre lang auf der Welt gelebt hat, ist nicht »innerlich nur Durchschnitt«. Deshalb wird auch deine Suche nach Liebe nicht durchschnittlich. Du musst sehr mutig sein. Du musst ohne einen Stock durch den dunkelsten Teil des Waldes laufen.

Nach konventionellen Maßstäben bist du nicht attraktiv und siehst, nach deinen eigenen Worten, auch nicht normal aus, und wie du ja schon weißt, kommst du für viele Leute gerade deswegen nicht infrage. Aber das macht nichts. Solche Leute brauchst du auch nicht. Indem sie sich wegducken, tun sie dir einen Gefallen. Denn was dir bleibt, nachdem die Trottel sich vom Acker gemacht haben, sind die treuen Seelen. Das sind die mega-coolen, spritzig-geistreichen Wahnsinnstypen, die wir brauchen. Das sind die Menschen, die deiner Liebe wuüdig sind. Und du, mein Lieber, hast sie verdient.

Um zu rechtfertigen, warum du dich schon geschlagen gegeben hast, bevor du es überhaupt versucht hast, sprichst du von Filmen, in denen »hässliche Figuren erlöst werden, indem sie gerade noch rechtzeitig schön werden, um die Aufmerksamkeit ihrer Angebeteten zu erregen«, aber das Beispiel lass ich nicht gelten. Da haben wir bessere, glaubwürdigere Geschichten zu bieten.

Du kennst doch sicher das Märchen »Die Schöne und das Biest«. Jeanne-Marie Le Prince de Beaumont hat 1756 das Original von Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve, »La Belle et la Bête«, gekürzt. Was wir heute kennen, ist ihre Be arbeitung. Ich verzichte jetzt mal auf die Details, aber die Handlung geht ungefähr so: Eine junge Frau namens Belle lebt mit einem Monster in einem Schloss. Belle ist gerührt vom Charme und von der Großmut des Monsters und gefesselt von seinem einfühlsamen Verstand, aber jeden Abend, wenn das Monster Belle bittet, seine Frau zu werden, lehnt sie ab, weil sie abgestoßen ist von seinem Äußeren. Eines Tages geht sie weg, um ihre Familie zu besuchen. Sie vereinbart mit dem Monster, dass sie nach einer Woche zurückkehren wird. Als sie nicht wiederkommt, fühlt sich das Monster völlig verlassen. Todtraurig geht es in den Rosengarten und bricht dort zusammen. In diesem Zustand findet Belle es bei ihrer Rückkehr vor. Da wird ihr bewusst, dass sie das Monster wirklich liebt. Nicht nur als guten Freund, sondern auf diese Art. Sie gesteht ihm ihre Liebe und weint. Als ihre Tränen auf das Monster fallen, verwandelt es sich in einen schönen Prinzen. Und jetzt pass auf: Belle liebte das Monster schon, als es noch ein Monster war – nicht erst als schönen Prinzen. Erst nachdem sie ihm ihre Liebe gesteht, verwandelt es sich. Und du wirst genauso verwandelt, so, wie die Liebe uns alle verwandelt.

Aber du musst mutig genug sein, dich von ihr verwandeln zu lassen. Ich habe nicht den Eindruck, dass du das schon bist. Du sagst, dass die Leute dich mögen, aber nicht »als Liebhaber in Betracht ziehen« würden. Woher weißt du das? Hast du schon mal einen Vorstoß gewagt und dir einen Korb geholt, oder überträgst du deine eigenen Ängste und Unsicherheiten auf andere? Schottest du dich von der Möglichkeit einer Romanze ab, bevor irgendjemand die Gelegenheit hat, sich in dich zu verlieben?

Für wen interessierst du dich? Hast du schon mal jemanden gebeten, mit dir auszugehen oder dich zu küssen oder seine oder ihre Hand in deine Hose zu stecken? Dein (wortgewandter, ehrlicher, trauriger, starker) Brief verrät mir, dass du ein ziemlich cooler Typ bist. Schon von daher bin ich mir ziemlich sicher, dass eine ganze Reihe von Leuten kein Problem damit hätte, ihre Hand in deine Hose zu stecken. Würdest du das zulassen? Wenn die Antwort Ja lautet, wie wu?rdest du reagieren? Ich will hier nicht als verdorbene kleine Klugscheißerin auftreten (obwohl ich tatsächlich eine verdorbene kleine Klugscheißerin bin). Ich möchte nur mal anregen – ohne die eindeutige Tatsache kleinzureden, dass du für viele Menschen allein wegen deines Aussehens als Liebhaber nie in Betracht kämst –, ob du dich schon mal Folgendes gefragt hast: Ist nicht vielleicht die größte Hürde zwischen dir und der heißen Liebesaffäre mit den Menschen, die (ganz ohne Frage!) an dir interessiert sein werden, gar nicht dein unansehnliches Äußeres, sondern eher dein wunderbar verletzliches Inneres?

Wie kannst du dich davon überzeugen, dass dich jemand als Liebhaber statt nur als Freund sehen könnte? Wie kannst du deinen Impuls, dich abzuschotten, abschalten? Diese Fragen sind der Schlu?ssel, damit du Liebe finden kannst. Du hast mich um praktische Tipps fu?r die Partnersuche gebeten, aber ich glaube, wenn du erst einmal innerlich bereit bist, Liebe zu geben und zu empfangen, ist es das Beste, zu tun, was alle auf der Suche nach Liebe tun: dich mit so viel Offenheit, Aufrichtigkeit und Humor wie möglich nach außen zu präsentieren. Sowohl online als auch persönlich. Gegenüber Fremden und in deinem Freundeskreis. Mach dir die Schönheit zu eigen, die in deinem monströsen Körper wohnt, und bemühe dich, die Schönheit in all den anderen Monstern zu sehen. Geh ohne Stock in den tiefsten Wald. Glaube, dass das Märchen wahr ist.

Deine Cheryl

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