"Der Koran" von Hamed Abdel-Samad (Rezension)

Rezension von Natascha Stevenson

Der Koran

Hamed Abdel-Samad

Gebunden

€ 19,99 inkl. MwSt.
Hamed Abdel-Samad hat sich einen Namen gemacht – als wissbegieriger Intellektueller und Autor. Sein Spezialgebiet seit frühester Kindheit: der Islam. Der Sohn eines Imam würde sich heute nicht mehr als „Muslim“ oder „Gläubiger“ bezeichnen, jedoch auch zu keiner anderen Religionsgemeinschaft bekennen. Gleichzeitig distanziert er sich klar vom Atheismus. Denn für Ihn zählt viel mehr das Verständnis der Religion, als eine blinde Zugehörigkeit zu ihr. Der in Deutschland aufgewachsene Publizist mit ägyptischem Hintergrund befasst sich schon sein ganzes Leben mit der Religion Islam und lernte das islamische „Buch Gottes“ schon als Kind auswendig. Sein Koranverständnis hat viele Phasen durchlaufen und ist heute viel ausgeprägter und differenzierter als das eines typischen Imams. Er plädiert für die entmystifizierung des Koran und macht sich auch in diesem brandneuen Werk, wie vergleichsweise in seinen vorherigen Bestsellern „Mohamed. Eine Abrechnung“, für eine neue, moderne und zeitgemäße Sicht auf den Islam, seine Schriften und den Propheten stark. Das vorgestellte Buch „Der Koran“ geht – wie der Titel schon sagt – im speziellen auf das Gottesbuch mit all seinen Aspekten ein. Denn wie er richtig erkennt, sehen sich die meisten Nichtmuslime sowie aus Muslime in der unbequemen Situation, inhaltliche Wiedersprüche im Koran nicht erklären oder einordnen zu können. Immer wieder fragen wir uns, was denn nun als „richtiger“ Islam oder einfach Fanatismus oder Terrorismus bewertet werden muss. Laut Hamed Abdel-Samad ist dieses Buch nämlich gleichzeitig eine Botschaft der Liebe und des Hasses. Warum? Kommt man mit gezielten Interpretationen und Auslegungen der Antwort näher? Er verneint dies ganz deutlich:

„Die Lösung für viele Konflikte liegt nicht in erster Linie in einer zeitgenössischen Interpretation des Korans, sondern in einer Emanzipation von der Göttlichkeit des Textes. Wenn man den Koran vom Sockel des Unantastbaren herunterholt, werden vielleicht nicht mehr radikale Gotteskrieger das Bild des Islam prägen, sondern jene, die der Botschaft der Liebe, der Toleranz und des Mitgefühls folgen“

Das etwa 230 seitige Buch gliedert sich sehr übersichtlich in eine Einleitung mit darauffolgenden 11 Kapiteln zu jeweils unterschiedlichen Themenbereichen  im Korantext und einem abschließenden, ausführlichem Nachwort. Alle Lebensbereiche werden hier abgedeckt und vor allem die Themen analysiert, die in unserer Gesellschaft häufiger im Gespräch sind: Über den Menschen, Über das Leben, Drohung, Toleranz und Intoleranz, Frieden und Krieg, allerletztes Manifest, Juden, Christen, Homosexualität, Frauen, und Spiritualität. Jedem Kapitel folgen 3 bis 7 Unterkapitel. So kann man bereits im Inhaltsverzeichnes sehr genau erkennen, welche theoretische Frage wo beantwortet wird. Natürlich werden zahlreiche Suren in deutscher Übersetzung (von Max Henning) zitiert, sodass man alles schön „Schwarz auf Weiss“ hat.

Dieses Werk ist sehr empfehlenswert für all jene, die Ihre eigene Religion nicht kritisieren aber nachvollziehen wollen, Menschen die es satt haben, aus anstrengenden  Islam-Disskusionen oder Reportagen ratlos und unentschlossen hervorzugehen und stattdessen beim nächsten Mal wirklich mitreden wollen können, ohne ein Gelehrter oder Islamwissenschaftler sein zu müssen. Sehr hilfreich und leicht verständlich geschrieben!

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