"Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" von Vilja Elisabeth (Rezension)

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Ein Buchtipp in Zusammenarbeit mit Connection. Rezension von Christiane Barth

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel: ein Lebensschlüssel

Vilja Elisabeth

Kartoniert

€ 19,90 inkl. MwSt.
Wie ein Märchenfilm die Kraft der Mitte illustriert: So der Untertitel des Buches, der zunächst gewöhnungsbedürftig ist. Was hat der Märchenklassiker mit den Anfängen der Menschheit zu tun, was dunkle Seelennächte mit der asiatischen Sonnengöttin, was das Aschenbrödel mit dem Burnout-Syndrom? Die Autorin bietet dem Leser eine interessante neue Sicht an: Die Analyse eines Kindermärchens, das uns das Prinzip »Stirb und Werde« vor Augen führt.

»Vilja Elisabeth ist eine Denkerin, die es mit dem Leben genau nimmt«, heißt es im Klappentext. Als promovierte Psychologin hat sie danach geforscht, »welche wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Urweisheiten bekannt sind, deren Kräfte sie selbst erfahren durfte«. Eine mehrmonatige Ausbildung bei Margit und Rueiger Dahlke habe sie genossen. Eines vorweg: Das Buch ist kein Schmöker zum Einschlafen. Es erinnert ein wenig an das 1997 erschienene Kultbuch »Die Wolfsfrau« von Clarissa P. Estés, der Psychoanalytikerin mexikanischer Herkunft, die man heute wohl gerne Schamanin nennen würde und die in plastischen Märchenbildern Hinweise findet, wie sich die moderne Frau wieder mit ihren Urinstinkten versöhnt. Auch Vilja Elisabeth fahndet in scheinbar harmlosen Erzählsätzen des scheinbar abgedroschenen Märchens nach tiefgründigen Weisheiten, die sie uns vor Augen hält. Und in der Tat finden sich Zitate von Clarissa P. Estés im Buch.

Schon alleine der Märchentitel hat es in sich: Die Dreierkombination, die Drei in symbolhafter Form als ein Bild des Werdens, das Dreieck als Widerspiegelung des Weiblichen. Der Leser muss sich auf manch verblüffende Deutung eines vierzig Jahre alten Märchenfilms gefasst machen, in dem Aschenbrödel vormacht, wie das geht, was wir heute so schmerzlich vermissen: Das Handeln aus der eigenen Mitte trotz widriger Umstände, das Leben von Gefühlen aus dem Herzen. Nun, auch Zitate aus der Bibel müssen wir uns im Kontext des Mythos Aschenbrödel gefallen lassen: »Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an«. Dabei taucht die Autorin ins Psychosomatische ein und führt uns ein weiteres Dilemma vor Augen: »Untersuchungen ergaben, dass sowohl ein Unterdrücken als auch ein Ausleben von Gefühlen zu Krankheiten führen kann: Im Zusammenhang mit dem Schlucken von emotionalem Leid stehen Herz- und Tumorerkrankungen, und das Sich-Luft-Machen verstärkt das Risiko für koronare Herzkrankheiten«. Die Lösung ist mal wieder – man ahnt es bereits – der Weg der Mitte, was nun sehr buddhistisch orientiert anmutet.

»Das Herz gilt in vielen spirituellen Kulturen als Quelle für positive Gefühle, Intuition, Weisheit und Liebe«, so die Autorin. Wo der Volksmund in herkömm – lichen Redensarten ebenfalls ein Indiz für diese Weisheiten latent bietet, auch darauf weist uns die Autorin hin – und auch hier wird der Einfluss ihres Lehrers Dahlke sichtbar. Die Waise im Märchen wiederum verdeutlicht uns, wie es funktioniert, das Nein sagen und das Grenzen ziehen (Burnout-Gefährdete horcht auf!), wie man Gefühle zeigt, aus dem Herzen wünscht (Universum- Besteller aufgepasst) und Wunder annimmt. Offenbar lernen wir durch das scheinbar naive Aschenbrödel mehr, als wir ahnten. Oder vielleicht ahnten wir es doch?

Die Intelligenz des Herzens also ist es, die die Kommunika tion mit der inneren Quelle ermöglicht. Und den Weg zu genau dieser Lebensader haben sich ja viele im Burnout Gestrandete verbaut – durch aufoktroyierte Pflichterfüllung, zwanghaftes An gepasstsein oder vom vorherrschenden Mainstream aufgesogene Wertvorstellungen. Aschenbrödel ist frei davon und damit – auch dies wird mehr und mehr deutlich – eine Metapher für ursprüngliche Herzlichkeit, klare Intuition und vorurteilsfreies Handeln. Sie schafft es, trotz Krisen, schwieriger Lebensumstände, vieler Fallstricke, vergifteter Äpfel oder (wenn man das Märchenspektrum ausdehnt) falscher Prinzen den Weg der Mitte zu finden. Und sie geht ihn.

Das Buch fordert uns auf, die Chance der Krise zu ergreifen (siehe Dahlke), Stressbreaker anzuwenden und die notwendige Transformation zu vollziehen. In ihren Texten arbeitet die Autorin mit archetypischen Bildern, mit den Lehren der Urprinzipien und Mythologien, was Labsal ist für die vielfach kopflastige Ratgeberliteratur, die uns ein besseres Leben nach abgezirkelten, berechnenden Strukturen feilbietet.

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