Eine Einladung, nicht mehr zurückzuweichen – Neale Donald Walsch

FalterTextWandel kann uns ängstigen – besonders dann, wenn er unvorbereitet geschieht. In „Wenn alles sich verändert, verändere alles“ führt der amerikanische Erfolgsautor Neale Donald Walsch zu einem neuen Bewusstsein, dass solche Veränderungen leichter erleben lässt. In diesem Buchauszug erläutert er die erste nötige Bewusstseinsveränderung: Den Wandel mit anderen zu teilen.

Von Neale Donald Walsch


Die Erste Veränderung, die vorzunehmen Sie eingeladen sind, ist die Veränderung der Art und Weise, wie Sie mit Veränderung umgehen.

Die meisten Leute scheuen vor Veränderungen zurück. Sie mögen sie nicht, weil sie einen Schritt ins Unvertraute bedeuten. Sie bedeuten, dass man jemanden oder etwas hinter sich lässt und sich ins Unbekannte vorwagt. Für manche bedeuten sie die Konfrontation mit tiefer Ungewissheit und sogar eine Bedrohung für ihr Überleben. Und für manche bedeuten sie, mit all dem ganz allein zu sein.

Das ist die größte Klage, die ich im Lauf der Jahre von den Menschen zu hören bekam, die mit ihrer Traurigkeit über die von ihnen erlebten Veränderungen zu mir kamen. In all den Jahren habe ich als spiritueller Helfer mit über zehntausend Menschen auf persönlicher Ebene gearbeitet, und ich kann Ihnen versichern, dass man, wenn man so lange Zeit mit so vielen Menschen arbeitet, immer und immer wieder die gleichen Dinge zu hören und zu sehen bekommt. Und Einsamkeit – emotionale Einsamkeit – ist das, was ich am meisten sah.

Lassen Sie mich nun auf Leah zurückkommen, jene Dame, mit der ich per E-Mail korrespondierte und die mir so freundlich erlaubte, ihre Mitteilungen in diesem Buch zu verwenden. Wie schon erwähnt, durchlebt sie derzeit einige emotionale Turbulenzen. Folgendes hat Leah mir anvertraut … »Wenn ich mich so ohne jede Hoffnung und zutiefst verloren fühle, dann fühle ich mich absolut einsam. Doch ich weiß, dass es noch andere Menschen gibt, die dieselbe dunkle Traurigkeit in ihrem Innern beherbergen. Wenn die Menschen glücklich sind, kommen sie zusammen und teilen diese Energie mit anderen. Wenn wir großen Schmerz erleiden, kapseln wir uns ab, und daher herrscht das Gefühl vor, in der Finsternis vereinsamt und vom Leben abgeschnitten zu sein. Das Wissen, dass ich nicht allein bin, ist für mich sehr hilfreich und wird vielleicht auch anderen eine Hilfe sein.«

Leahs Erfahrung ist nichts Ungewöhnliches. Ihre Email war nur ein weiteres Glied in einer Kette von Hinweisen, die sich über fünfzehn Jahre hinweg erstreckte und die mir zeigte, dass wir uns einfach in die Selbstisolation begeben, wenn wir das Gefühl haben, durch die Veränderung von Umständen oder Bedingungen etwas für uns Wichtiges verloren zu haben.

Wir verkriechen uns in uns selbst, wenn der Boden unter uns zu beben beginnt. Ich hab’s getan, Sie etwa nicht? Jetzt mache ich das nicht mehr, aber früher habe ich es gemacht. Deshalb erkenne ich es so schnell. Sogar Menschen, die in einer festen Beziehung leben, Menschen, die verheiratet oder schon lange Jahre Geschäftspartner sind, werden oft still, ziehen sich zurück, begeben sich in die Selbstisolation (und versinken manchmal im Selbsthass).

Ich hoffe also, dass Sie jetzt alles in Ihrer Macht Stehende tun, um sicherzustellen, dass Sie diese kritische Zeit in Ihrem Leben nicht ganz allein durchmachen. Dieses Buch zu lesen ist ein guter Anfang. Ein großartiger Anfang. Aber es ist nur der Anfang. Lassen Sie uns nun also die Erste Veränderung erkunden.

Veränderung Nummer 1:
Ändern Sie Ihre Entscheidung, »es allein anzugehen«.

Das ist eine einfache Veränderung, die aber etwas von uns verlangt, das viele Menschen – ich wu?rde sagen, die meisten Menschen – nicht gewohnt sind und womit sie sich auch nicht immer wohl fühlen. Sie erfordert Transparenz.

Warum haben so viele von uns die Neigung, sich, wenn sie sich vor große Probleme gestellt sehen, in die Isolation zurückzuziehen? (Und haben Sie übrigens bemerkt, dass sich fast jedes Ihrer wirklich großen Probleme aus etwas ergab, das sich geändert hatte?) Die Antwort ist, dass wir uns fast nie erlauben, als unvollkommen angesehen zu werden oder als jemand, der nicht alles im Griff hat. Auch hat man uns in unserer Kindheit beigebracht, dass wir andere nicht mit unseren Problemen »belasten« sollten. Und dass ohnehin fast immer alles unsere eigene Schuld ist. Warum also damit zu jemand anderem gehen? Uns wurde klargemacht: »So wie man sich bettet, so liegt man.«

Keine dieser »Belehrungen« taugt auch nur im Geringsten irgendetwas. Die Leute, die uns so erzogen haben, haben sich in allem geirrt. In jedem Fitzelchen davon. Das Bedürfnis, »perfekt« zu sein und »alles im Griff zu haben«, ist der Ausdruck eines umfassenderen Bedürfnisses: eines Bedürfnisses nach Anerkennung

Als Kinder lernten die meisten von uns, dass wir gute kleine Jungs und Mädchen sein müssen, um von unseren Eltern und anderen Erwachsenen in unserem Umfeld Anerkennung zu bekommen. Manchen von uns wurde erzählt, dass eine Person namens heiliger Nikolaus eine Liste anfertigte und doppelt überprüfte, wer unartig gewesen war und wer artig. Und manchen von uns wurde von einem Gott erzählt, der uns liebt und über uns wacht … der aber auch wegen allen Unrechts, das wir getan haben, über uns richten und uns zur ewigen Verdammnis verurteilen wird, sollte diese Liste zu lang werden oder ganz bestimmte Dinge aufweisen.

Also haben wir Liebe und Angst in einen Topf geworfen und ziemlich gut vermischt. Unsere Angst, Liebe zu verlieren, hat dazu geführt, dass wir uns zu denselben Bedingungen lieben, unter denen andere uns lieben. Da ist es leicht, sich selbst zu verdammen und zu hassen. Wir sind so gut darin geworden, dass wir diese Arbeit schon für andere übernehmen, auch wenn die gar nicht die Absicht dazu haben.

Diese Arbeit der Selbstverurteilung, der Selbstanklage und der Selbstablehnung muss natürlich im stillen Kämmerchen vonstatten gehen, weil uns die anderen sonst dafür kritisieren und ablehnen. Also verstecken wir unsere Gefühle und manchmal auch unser Selbst vor anderen, wenn wir vor Schwierigkeiten und Problemen stehen.

Ironischerweise sind das genau die Zeiten, in denen die, die uns lieben, für uns da sein wollen. Wurden Sie nicht für jemanden, den Sie lieben, da sein wollen, wenn er Schmerzen erleidet? Natürlich wu?rden Sie das. Tatsächlich ist das Ihr allererster Impuls.

Wir müssen darauf vertrauen, dass es bei anderen genau das Gleiche ist. Die Menschen wollen uns helfen. Sie fühlen sich nicht dadurch »belastet«. Ganz im Gegenteil. Es gibt ihnen Auftrieb. Das Wissen, dass wir anderen geholfen haben, verleiht uns Wert, lässt unser Selbstwertgefühl in die Höhe schnellen. Plötzlich bekommt das Leben einen Sinn. Oder es vermittelt uns zumindest in diesem Augenblick das Gefühl von einem höheren Sinn und Zweck.

Wenn Sie darüber nachdenken, so ist jeder Beruf nichts anderes als eine Methode, anderen dabei zu helfen etwas zu bekommen, das sie haben wollen. Sänger, Tänzerinnen, Maler, Polizeibeamtinnen, Ärzte, Lehrerinnen, Klempner, Schauspielerinnen, Feuerwehrmänner, Stripteasetänzerinnen, Priester, Baseballspieler, Fotografinnen, Flugbegleiterinnen, Kellner, Vorstandsvorsitzende… alle tun sie etwas, das jemandem hilft, etwas zu bekommen, das er oder sie haben will!

Das ist alles, was wir hier machen. Nichts anderes tun wir hier. Wir laufen einfach nur herum und versuchen, jemandem zu helfen. Dieses Wissen sollte es uns leichter machen, Hilfe anzunehmen – sei es von einem Profi oder einem geliebten Menschen –, wenn wir ihrer in besonderem Maße bedürfen. Warum sollten wir es jemandem schwerer machen, uns zu helfen, wenn Hilfe genau das ist, was wir brauchen und genau das, was andere uns zukommen lassen wollen?


So viel zum Punkt, »andere nicht belasten«. Okay? Kapiert? So viel dazu, dass man andere nicht belasten soll …

Ich lade Sie dazu ein, gleich jetzt sich selbst gegenüber die Verpflichtung einzugehen, sich an eine andere Person zu wenden und sie an den Gefühlen teilhaben zu lassen, die die Veränderungen in Ihrem Leben in Ihnen heraufbeschwören. Sagen Sie ihr, wenn Sie wollen, dass Sie dieses Buch lesen. Sie könnten sie vielleicht sogar einladen, es mit Ihnen gemeinsam zu lesen. Es ist egal, mit wem Sie Kontakt aufnehmen, aber setzen Sie sich mit irgendjemandem in Verbindung. Mit einem Verwandten. Mit einem Freund oder einer Freundin. Mit einer berufsmäßigen Beraterin. Mit einem Rabbi oder einem Ulama oder einem Priester oder einem Geistlichen. Nehmen Sie mit jemandem Kontakt auf. Denn wenn Sie mit jemandem Verbindung aufnehmen, nehmen Sie Verbindung mit sich selbst auf.

Ich sagte hier gerade etwas Wichtiges und möchte nicht, dass Sie es einfach überlesen. Also lassen Sie es mich bitte wiederholen: Wenn Sie mit jemandem Verbindung aufnehmen, nehmen Sie Verbindung mit sich selbst auf. Wenn Sie mit einer anderen Person sprechen, mit einem Geist außerhalb Ihres eigenen Geistes kommunizieren, bringt Sie das mit dem Teil Ihres Selbst in Berührung, der größer ist als Ihr rationaler Verstand, umfassender als Ihre Gedanken. Denn dieser Akt, mit einem anderen Verbindung aufzunehmen, reißt Sie aus Ihrem fortwährenden inneren Dialog heraus und versetzt Sie in einen im Außen gefu?hrten Dialog hinein. In einem im Außen geführten Dialog kann Ihnen eine andere Person frische Energie schenken, Ihnen eine andere Sichtweise liefern. Sie kann mit klarem Kopf an das Thema herangehen und ist frei von der Selbstkritik, mit der Sie alles betrachten. Sie sieht Sie so, wie Sie wirklich sind, und beweist damit das Paradoxon, dass Sie manchmal aus sich herausgehen müssen, um innerlich zu sich selbst kommen zu können. Manchmal müssen Sie aufhören, auf sich selbst zu schauen, um sich selbst sehen zu können.


Ein Buchauszug mit freundlicher Genehmigung des Goldmann Verlags aus:

WalschFalterCover
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Neale Donald Walsch
„Wenn alles sich verändert, verändere alles“

Goldmann Verlag
384 Seiten, Taschenbuch
ISBN: 978-3-442-22039-7

Hier finden Sie weitere Informationen zum Buch

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