"Im Namen Gottes" von Karen Armstrong (Rezension)

Ein Buchtipp in Zusammenarbeit mit Connection. Rezension von Katharina Ceming

Im Namen Gottes

Karen Armstrong

Gebunden

€ 24,99 inkl. MwSt.
Mit ihrem Buch »Im Namen Gottes. Religion und Gewalt« hat die amerikanische Religionswissenschaftlerin Karen Armstrong ein wissenschaftlich höchst fundiertes, umfangreiches und dennoch gut lesbares Werk vorgelegt, das trotz des wenig erheiternden Inhalts Lust zu lesen macht. Ihr Anliegen ist, zu zeigen, dass Religionen nicht per se gewalttätig sind, sondern dass die Lust am Morden und Kriegführen seit Anbeginn der Menschheit Teil unserer Kultur ist.

Sie zeigt dies detailreich im Kontext der indischen, chinesischen und semitischen Religionen. Dort, wo im Namen von Religionen Gräueltaten und Gewalt ausgeübt wurden, ging es fast immer auch um machtpolitische, geostrategische oder andere Interessen, die religiös verbrämt wurden. Friedensförderliche und humanitäre Aspekte wurden dafür gezielt ignoriert. Da es bis in die Moderne hinein keine absoluten säkularen Wahrheitsansprüche gab, weil die Trennung von Religion und Staat eine Idee der Neuzeit ist, erweckt der Blick in die Geschichte somit leicht den Eindruck, dass das religiöse Denken per se Frieden und Toleranz verhindert, anstatt es zu fördern.

Der einzige Einwand gegen Armstrongs These, dass religiöses Denken nicht an sich gewalttätig ist, ist der, dass sie zur Absicherung ihrer Position genau das tun muss, was sie eingangs in ihrer Studie als ein Phänomen der Neuzeit charakterisiert: nämlich Religion und Politik trennen. Nur so kann sie zeigen, dass nicht das religiöse Denken der alleinige Grund für Gewalt ist. Damit führt sie genau die Unterscheidung ein, die Menschen der Vormoderne nicht verstanden hätten, da für sie Gewalt und Religion keine getrennten Sphären waren. Trotz dieser Problematik ist dieses Buch aufgrund seiner Materialdichte und differenzierten Umgangsweise mit dem Thema ein echtes Highlight.

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