Intervallfasten

Unglaublich – eineinhalb Milliarden Menschen starten heute in ihren jährlichen Intervallfasten-Monat. Ob es periodisches Fasten, intermittierendes Fasten oder Kurzzeitfasten bezeichnet wird – es handelt sich immer um ein und dieselbe Sache. Diese „Trend-Diät 2019“ stellt ein sanftes und altbewährtes Fasten-Konzept dar, das unübersehbare Parallelen zum islamischen Ramadan-Fasten aufweist.

von Natascha Stevenson


Was für Muslime einfach schlicht „Ramadan“ heisst, nennen unsere Ernährungsexperten nun die 16:8 Stunden Methode. Ramadan ist für Muslime ein Monat, in dem statt tagsüber Nachts gegessen wird. Der Fastenmonat hat für den Fastenden gesundheitliche Vorteile, ganz unabhängig vom religiösen Hintergrund. Seit 2018 das Intervallfasten bei uns in Mode gekommen ist, scheint dies nun auch wissenschaftlich belegt, statt reine Glaubenssache. Laufend erscheinen neue Ratgeber und Kochbücher, die sich dem Thema widmen.

Der Arzt Rüdiger Dahlke ist als Fastenexperte schon einen Tick früher auf den Trichter gekommen, dass Kurzzeitfasten weder die Erfindung eines Ernährungs-Experten, noch eine neue, westliche Errungenschaft ist. Es ist eine Gesundheitsweisheit, die seit der Existenz menschlicher Evolution in jedem einzelnen Körper schlummert. Nicht ohne Grund ging 2016 der Medizin-Nobelpreis an den japanischen Forscher Yoshinori Ohsumi, der zum ersten Mal in der Geschichte wissenschaftlich beweisen konnte, dass sich Körperzellen durch „Autophagie“ selbstständig reinigen. Zahlreiche Arten von Reinigungskuren, Entschlackungs-Mitteln und Detox-Produkten werden heutzutage beworben – obwohl das Reinigen unserer Körper ganz anders funktioniert! Nämlich mit kurzen Fastenzeiten, die der Mensch schon vor Jahrtausenden unfreiwillig einhalten musste, als er sich nicht an bis zu 5 Malzeiten bedienen konnte, sondern nur ab und zu etwas Essbares aufspürte. So wurde den Zellen automatisch die nötige Regenerierungsphase gegönnt, auf die unsere Zellen auch noch heute programmiert sind.

Das Konzept: Von 24 Stunden 16 fasten und 8 essen – so sieht es das sogenannte Intervallfasten bzw. Kurzzeitfasten vor, identisch mit dem islamischen Fastenplan (mit der kleinen Erweiterung, dass in den Fastenstunden ganz auf Flüssigkeit verzichtet wird und die Fasten-Uhr strikt nach dem Sonnenunter- und Sonnenaufgang gestellt wird). Nach heutigem Wissensstand braucht es also keine Glaubensfrage sein, ob man dem Fastenmonat Ramadan, der als solcher schon seit dem 7. Jahrhundert existiert, eine gesundheitsfördernde Wirkung zugestehen kann.

Laut Experten wie Dahlke, Eckart von Hirschhausen & Co. können wir mit dieser Art zu Fasten nicht nur Gesundheit, sondern auch eine schlanke Figur erreichen. In seinem Buch „Kurzzeitfasten“ macht Dahlke aber klar, dass auch hier die normale Sättigungsgrenze einzuhalten ist. Leider fällt es vielen Muslimen im Ramadan schwer dies zu beachten. Das Auftischen eines Festmahls, mit zudem süßen oder fetten Speisen beim Fastenbrechen stellt ein ernstes Problem dar, weil sie dann oft voller Begeisterung zu große Mengen zu schnell in sich „hinein schaufeln“. Die häufige Folge ist eine ungewollte Gewichtszunahme, ein Blähbauch oder Verdauungsprobleme. Es liegt also in der Verantwortung jedes Einzelnen, daraus keinen Schlemmer-Monat mit Pommes, Limonade und Eiscreme zu machen. Ob als Muslim oder Intervallfaster – falls das Frühstück in einem regelrechten Festessen endet, bei dem nichts mehr von der zuvor geübten Bescheidenheit übrig bleibt, muss die Rückbesinnung auf ein korrektes Verständnis vom Fasten stattfinden. Kurz gesagt gilt beim Intervallfasten die einfache Regel, nicht mehr bzw. ausgiebiger zu essen als sonst auch, eben nur in einem begrenzten Zeitrahmen.

Keine Lust auf typisches Fastenfood und Butterbrot? Marokko ist eines der muslimischen Länder, die den Ramadan im ganzen Land als Gemeinschaft praktizieren. In der internationalen Küstenstadt Casablanca mit ihrer weltgrößten Moschee herrscht trotz ausländischer Einflüsse die landestypische Kochtradition vor. Hier werden Ramadan-Rezepte kreiert und die arabische Hausmannskost perfektioniert. Besonders im Fastenmonat ist es den Menschen wichtig, Vielfalt und tollen Geschmack auf die Teller zu bringen. Die Köchin Nargisse Benkabbou bringt frischen Wind in die marokkanische Küche und lässt mit ihrem Buch den Genuss des Orients kosten. Hier finden sich 100 gesunde Rezepte, die eine schöne Bereicherung und Abwechslung für jedes Fastenbrechen sind. Lassen Sie sich von den kulinarischen Ideen inspirieren und kommen Sie so einer Kultur näher, die schon sehr lange Erfahrung mit dem Intervallfasten hat.

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