Krebs: Geburt in die Bewusstheit – Thomas Schmelzer

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© mo gun / photocase.com

Viele Menschen haben Krebs – was keinesfalls ein Todesurteil ist. Tatsächlich gibt es mehr Gesundungen und „Spontanheilungen“, als man denkt. Auch Thomas Schmelzer, der Chefredakteur und Moderator von MYSTICA, überlebte diese Krankheit. Anlässlich des Themenheftes „Krebs – Ursachen und Heilung“ der Zeitschrift raum&zeit berichtet er über seine Erfahrungen und Erkenntnisse.

von Thomas Schmelzer

Vor 22 Jahren hatte ich Krebs. Genauer gesagt Non-Hodkin B-Lymphom. Danach begann für mich das Leben wie von neuem, auch weil ein Bewusstseinswandel mit einherging, beginnend mit einem extremen seelischen Wendepunkt. Da ich diesen inneren Weg als so entscheidend für meine nun anhaltende Gesundheit empfunden habe, möchte ich gerne ein paar Erfahrungen und Erkenntnisse weitergeben.

Die Krise ist da

Es war mehr als gerade noch rechtzeitig, als mir in der Wirbelsäule Metastasen herausoperiert wurden, die die Nerven so weit abgeklemmt hatten, dass die Beine bereits Lähmungserscheinungen zeigten. Metastasen, die von extrem angeschwollenen Lymphknoten vom Bauch aus bereits andere Körperregionen belagerten. Bei dieser Notoperation gab es keine Gewissheit, ob ich danach nicht für immer im Rollstuhl sitzen, ob ich überhaupt überleben würde. Falls ja, ginge es mit einer Chemotherapie weiter.

Die Operation gelang. Nun sollte eine Chemotherapie folgen, ein halbes Jahr lang. Schockiert und voller Angst hörte ich mir die Prognosen der Ärzte an. Sie gaben mir nur geringe Überlebenschancen (ich hatte eine seltene spezielle Form der Krankheit). Unfähig, damit umzugehen, verkroch ich mich in eine Art Lethargie und ließ alles mit mir geschehen.

Irgendwann aber war die Verzweiflung nicht mehr zu verdrängen. Abgesehen von den körperlichen Schmerzen nach der Operation war ich innerlich voller Angst und voller Fragen. Warum ich? Was hatte ich falsch gemacht? Sollte es das gewesen sein?

Einige Tage nach Beginn der Chemo – es war der erste viertätige Zyklus, dem noch sechs weitere folgen sollten – spitzte sich die Verzweiflung zu. Während eine liebevolle Schwester meine Hand hielt, lösten sich plötzlich all der Schmerz, Angst und Wut. Anders als sonst ließ ich diesmal alle Gefühle zu, ließ mich regelrecht fallen in alle Emotionen, die sich zeigten. Ich fiel und fiel – und begann allmählich zu schweben. Alles veränderte sich. Es entstand ein Frieden und eine Liebe in mir, wie ich sie nie hier auf Erden für möglich gehalten hätte.

Man mag es Gnade nennen, Hilfe von oben oder einfach nur einen ungewöhnlichen Bewusstseinsprozess, aber er veränderte mein Leben. Ruhend in dieser Stille und diesem Frieden, keinen Schmerz mehr spürend wusste ich um diese innere Liebe, zu der wir alle Zugang haben können. Ich hatte plötzlich die Gewissheit, dass es möglich war zu überleben, aber dass es auch an mir lag.

Wollte ich aber wirklich leben? Ich malte mir eine besonders „schöne“ Todesart aus, sah mich vom 14. Stock eines Hauses springen und fühlte doch: Nein, ich will noch bleiben, ich will etwas vermitteln! Innerlich ungewöhnlich frei, klar und bewusst entschied ich mich wie vielleicht noch nie zuvor in dieser Deutlichkeit für das Leben. Und erkannte auch, dass ich schon viele Male resigniert unbewusst das Leben aufgegeben hatte, nicht wissend, dass man tiefe seelische Nöte aufgrund schwieriger Vergangenheit jederzeit auch heilen und transformieren kann.

Wendepunkt

Danach geschahen Dinge, die in ihrer Geballtheit nicht mehr Zufall genannt werden konnten. Eine psychologische Beraterin für Krebspatientinnen irrte sich im Zimmer und wurde so eine willkommene Gesprächspartnerin, gab mir die wichtige Adresse eines Heilpraktikers weiter, den ich bald aufsuchen sollte. Ein Freund erzählte mir von einer Geistheilerin, die spontan den Wunsch hatte, mir im Krankenhaus zu helfen, obwohl sie dies noch nie zuvor getan hatte.

Auch Tage nach dem „Wandel“ konnte ich immer wieder in den inneren Frieden zurück finden – letztlich meditierte ich, ohne dies so benennen zu können. Dadurch kam mein Körper in eine tiefe Entspannung, die zunächst einmal für jeden Heilungsprozess unerlässlich ist. Ich fühlte mich auch nicht mehr allein, sondern aufgehoben und beschützt. Schmerzen gab es nach wie vor – aber ich erkannte auch, dass ich selbst nicht der Schmerz war. Jenseits von Gedanken oder Gefühlen ruhte ich im Sein. Und vielleicht war das schon der tiefere spirituelle Sinn meiner Krankheit: Ins Herz zurück zu finden.

Aus dieser Klarheit heraus entschied ich mich, aus dem Krankenhaus abzuhauen. Vielleicht war dies eine der ersten wichtigen Entscheidungen in meinem Leben, die ich ganz allein fällte, sie sogar vor den Ärzten und den Eltern geheim hielt. Ich würde das heute niemandem so raten, sondern empfehlen, wirklich selbst zu entscheiden, wie der eigene Weg verlaufen soll, auch nach Recherchen und Gesprächen mit Experten, sofern die Möglichkeit dazu besteht.

Gesagt, getan. Mit Hilfe meiner Eltern – laufen musste ich nach der OP erst langsam neu lernen – verließ ich genau an meinem 25. Geburtstag die Klinik. Weiter gings zuhause mit innerer Arbeit und äußerer Unterstützung durch den besagten Heilpraktiker. Ein halbes Jahr später war ich gesund und bereit, auf eine Schauspielschule zu gehen. Aus heutiger Sicht verhielt ich mich recht naiv und gleichzeitig konsequent: Ich wollte einfach nur meinem inneren, jetzt so starken Gefühl folgen und mich nicht zu intensiv mit medizinischen Lösungen beschäftigen. Tja, nochmal gut gegangen.

Innerer Wandel

Warum erzähle ich das so ausführlich? Weil es deutlich macht, dass das subjektive Erleben ein ganz anderes ist als eine offizielle Krankengeschichte. Darum geht es aber. Wenn ein Mensch schwer krank ist, begleiten ihn nicht selten intensive seelische Themen, die gar nicht unmittelbar mit der Krankheit zu tun haben müssen, jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Diese ernst zu nehmen, sie zu umarmen, sich damit zu beschäftigen – dazu hat der Kranke jetzt die Zeit.

Nachträglich lässt es sich munter spekulieren, warum ich krank wurde und was mich heilte – wissen kann ich das nicht, ich kann nur Erklärungsmuster finden, und das auf allen Ebenen: Falsche Ernährung, keine Bewegung, um mal ganz körperlich zu beginnen. Mangelnde Liebe zum Körper. Mangelnde Liebe zum Seelenleben – ich hatte tiefe Gefühle und Sehnsüchte verdrängt, lebte im Grunde das Leben der Anderen, von Eltern mit ihren Vorstellungen, von Freunden, denen ich nacheifern wollte. Was ich aber selbst wollte, das wusste ich gar nicht, hatte mir nie Gedanken darüber gemacht.

Danach, ab dem mysteriösen Zeitpunkt, war alles ganz einfach: Es ging nur darum, den tiefsten Leidenschaften und Herzenswünschen zu folgen. Mein eigenes Leben zu finden und zu leben. Aus heutiger Sicht bin ich also diesem Krebs sogar dankbar. Vielleicht stimmt es ja, wenn es heißt: Wenn die Seele nicht wachsen darf, macht es eben der Körper. An verschiedenen Stellen, mit einzelnen Zellen. Krebs, so heißt es, ist sozusagen der letzte Notruf, der Seele in ihrem Wachstum zu helfen…

Seelische Vorsorge

Ginge ich in die Zeit zurück, einige Jahre vor den Krebs, und hätte die Chance, mir selbst einige Tipps und Ratschläge zu geben – was würde ich mich fragen? Vielleicht dies:
Gibt es Themen, die Dir im Moment viele Sorgen machen, die du vielleicht deswegen schon länger kunstvoll verdrängst und Dir auch gut erklären kannst? Gerade Sprüche wie: „Ist schlimm, aber das kann ich wohl nicht mehr ändern“ weisen auf solche Themenbereiche hin. Vielleicht bist Du schon lange unglücklich im Beruf oder in der Beziehung, leidest unter Dingen, die Du Dir wünschst und nicht bekommst – oder die Dir widerfahren, die Du aber nicht willst?

Hast du irgendwelche „Leichen im Keller“, lehnst Du Dich in manchen Dingen ab, wenn Du beispielsweise aufbrausend oder ungeduldig bist? Nimm es an, nimm gerade jene Eigenschaften an, die Du als „schwierig“ empfindest. Schau sie Dir an, diese Themen, mit einem liebenden Auge, und sprich mit Freunden oder einem Seelenbegleiter (Therapeut muss es ja nicht gleich sein) darüber.

Wo lebst du zu extrem? Wo zu viel oder zu wenig?

Gib Deinem Körper gute Ernährung, Bewegung, Pflege. Vor allem aber: Gönne Dir Auszeiten und Stille, atme aus, schlafe aus. Seelischer und oder körperlicher Stress sind oft entscheidende Ursachen für tiefere Krankheiten.

Und frage Dich in diesen Auszeiten: Bin ich glücklich auf meinem Weg? Was hätte ich stattdessen gerne? Was kann ich tun, dass ich mich wohler fühle?

Das alles mag ein bisschen egoistisch klingen. Aber genau diese gesunde Ichbezogenheit ist es, die an Krebs erkrankten Menschen oft fehlt. Wie in meinem Falle haben solche Menschen manchmal ein Leben hinter sich, in dem sie nur für andere da waren oder in dem sie ein Leben lebten, das nicht das eigene war. Deswegen ist es gerade für „gefährdete“ Kandidaten eine wichtige Übung, sich immer wieder Zeit zu nehmen für die eigenen seelischen Bedürfnisse. Diese zunächst einmal wahrzunehmen und zu fühlen, fällt vielen Menschen in unserer heutigen lauten Gesellschaft voller verführender Lebenskonzepte schwer.

Ich bin krank – was tun?

Nun aber sind Sie vielleicht schon krank oder kennen jemanden, den Sie unterstützen möchten. Hier halte ich eines für wichtig: Die körperliche Gesundung muss nicht parallel mit der seelischen geschehen. Kümmern Sie sich zunächst einmal nur um die Heilung ihres Körpers, erforschen Sie, welche Methoden ihnen helfen, sprechen Sie mit Experten, finden Sie einen Arzt und vielleicht zusätzlich einen Heilpraktiker oder Heiler Ihres Vertrauens.

Unterschätzen Sie aber die seelische Thematik nicht und lassen Sie sich Zeit. Tiefsitzende Traumata, chronische Probleme oder Ängste lassen sich am besten Schritt für Schritt erkennen und verwandeln. Gönnen Sie sich dafür genug Raum und Zeit, aber rechnen Sie mit einem prozesshaften Geschehen, das dann am besten weiter geht, wenn der Körper nicht im Stress ist, also nicht parallel zu einer intensiven Behandlung.

Nehmen Sie, so abgedroschen das auch klingt, zunächst einmal Ihren Zustand, Ihren Körper so gut wie möglich an. Dann ist es leichter, nächste Schritte zu unternehmen. Fühlen Sie sich nicht schuldig an ihrem Zustand, denn wir können letztlich nicht wissen, warum etwas geschieht, auch wenn wir gerne klare Gründe dafür hätten. Lassen Sie also auch los vom Tun-müssen. Sie haben vieles nicht in der Hand. Nutzen Sie die Möglichkeiten, die Sie haben, und das ist die seelische Hygiene, die innere Arbeit.

Wollen und Wille

Die zweite noch verbleibende Frage zu meinem Fall: Warum wurde ich gesund? War es die eine Dosis Chemotherapie, der noch fünf hätten folgen sollen? War es die Heilerin, durch deren Hände ich warme, liebende Energie wahrnahm? War es die behutsame Arbeit des Heilpraktikers, der mich ein halbes Jahr begleitete? War es mein Zurückkehren in mein Herz, meine Mitte, in der ich – wenn auch nur zeitweise – Frieden und Klarheit fand?

Ich glaube, dass es so etwas wie einen Seelenplan gibt, in dem einige markante Punkte unseres Lebens vorgesehen sind. Wenn es uns gelingt, Zugang zur Stimme unserer Seele zu bekommen und sozusagen im Herzen zu sein, werden wir immer wissen, wohin die Reise geht. In meinem Falle, als ich wieder in mich selbst zurück fand, spürte ich ganz deutlich: Da will noch viel geschehen und gelebt werden.

So gesehen habe ich aber genauso viel Respekt vor Menschen, die erkennen oder sich damit einverstanden erklären, sich zu verabschieden.

Letztlich also geht es bei alledem nur um eines: Zugang zum Herzen zu finden, voll und ganz dem zu vertrauen, was ist – und mutig danach zu leben. Als ich kurz vor dem Wendepunkt innerlich sagte: „So sei es“, also so etwas wie „Dein Wille geschehe“, konnte ich loslassen vom kleinen Wollen und ließ das Leben selbst entscheiden.

Thomas Schmelzer

Dieser Artikel erschien im neuen raum&zeit Themenheft

KrebsHeftrundz

„Krebs – Ursachen und Heilung“

Ein praxisnahes Heft für Betroffene, Therapeuten und Interessierte, unter anderem mit diesen Themen:

• Die Irrtümer der Schulmedizin • alternative Erklärungsmodelle zur Krebsentstehung • die Rolle der Umweltbelastungen • Biologische Krebstherapie • Immuntherapien • Orthomolekulare Therapie • Ernährung als Therapie und Vorsorge • pflanzliche Heilmittel • Homöopathie • TCM • Ayurveda • die große Bedeutung von Seele und Geist •

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