Lieber Sein als Tun – Stefanie Will

Sein_Will_TextWir alle sind permanent damit beschäftigt, irgendetwas zu Tun. Wir erledigen, wir planen, wir reden, wir denken, wir organisieren und nicht nur das, denn während das alles getan wird, sind sehr viele Menschen mit ihrer Aufmerksamkeit bereits beim nächsten Schritt. Ständig dreht es sich für sie darum, etwas zu TUN. Über diese umtriebigen Beschäftigungen vergessen Viele, einfach nur zu SEIN.

Von Stefanie Will


Eventuell ist ihnen das Sein noch völlig unbekannt. Doch was bedeutet das für unseren Alltag und für unser Erleben genau? Für mich gibt es mehrere wichtige Botschaften in diesem, von mir gewählten Thema und sicher auch noch einige darüber hinaus, die hier nicht erwähnt werden.

– Den aktuellen Moment als einzigen zu würdigen und entsprechend achtsam in ihm zu
Verweilen, zu Sein.
– Die Vorstellung von etwas, zunächst selbst zu verkörpern.
– Durch reines bewusstes Sein, sich der eigenen Handlungen klar zu werden.

Doch wie gelingt uns das?

Wenn wir uns einmal die Zeit nehmen, genau hinzusehen, uns selbst dabei beobachten, wie präsent wir bei einer persönlichen Begegnung zum Beispiel sind, werden viele erschrecken. Denn vor lauter Gedanken, hat der andere Mensch oft gar keinen Raum in unserer aktuellen Wahrnehmung.

Viele Menschen können auch nicht zuhören, sie warten nur darauf, ihre eigenen Meinungen kund zu tun, ihre vorgefertigten und feststehenden Theorien mitzuteilen, um sich dabei Bestätigung für ihr Ego zu holen. Sie nutzen das soeben Gehörte dazu, sich das entsprechende Thema zu Eigen zu machen.

Doch Nähe oder echte Begegnung findet so nicht statt. Auf ein Gespräch derartiger Basis, mögen wohl manche Leute gerne verzichten. Hierbei handelt sich meines Erachtens um reine Zeitverschwendung. Doch leider ist dies eine weit verbreitete und oberflächliche Form der Kommunikation.

Bei diesem Thema handelt sich nicht um etwas, was auf Knopfdruck verändert werden kann. Es bedarf einer kontinuierlichen Achtsamkeit auf allen Ebenen.


Achtsamkeit als ständige Übung

Achtsamkeit bedeutet, die Geschehnisse im Außen aufmerksam zu verfolgen und als das zu erkennen, was sie uns tatsächlich aufzeigen wollen und was sie in ihrem Kern sind. Achtsam sind wir dann, wenn wir tatsächlich mit jedem einzigartigen Jetzt-Moment zusammentreffen. Eine echte Zusammenkunft mit dem stattfindet, was sich uns zeigt und wir in vollkommenem Gewahrsein selbst zu dieser  Achtsamkeit werden.

Nicht flüchtig im Vorbeigehen etwas aufzunehmen und aus diesem Augenblick heraus zu glauben, die gesamte Situation erkannt zu haben. So kann es nicht erfahren werden, weil wir dann  automatisch einen Teil aus unserer Erinnerungswelt, der Vergangenheit hinzufügen. Den tatsächlichen Moment als Ganzes, in seiner gesamten Ausprägung haben wir verpasst, weil unsere Aufmerksamkeit schon wieder auf etwas anderes gerichtet war.

Achtsamkeit erfordert die Hingabe an genau das, was IST.

Es kann häufig beobachtet werden, dass Menschen sich nur allzu gerne in den Vordergrund drängen. Dabei ist es eine wundervolle Erfahrung, sich selbst einmal zurück zu nehmen, achtsam und aufmerksam den jeweiligen Augenblick wahrnehmen, ganz egal ob es sich um eine Begegnung mit einem Menschen oder um eine reine Beobachtung handelt.

Eine unvoreingenommene, innere Haltung wird dir erst die Gelegenheit schenken, echte und neue Eindrücke aufzunehmen. Selbst in Situationen, die du häufig erlebst und sich dir bis dahin als stets gleich präsentiert haben, wirst du mit der Zeit erkennen, dass kein Augenblick unbedeutend ist und sich immer wieder anders darstellen kann. Versuche urteilsfrei und neugierig in jeden neuen Tag zu starten, um wirklich neue Erfahrungen zu sammeln. Lasse dich auf den Moment ein, sei ganz und gar präsent mit all deinen Sinnen. Wenn du Erinnerungen, Gedanken, Wünsche, Vorstellungen, Erwartungen loslässt und nur im jeweiligen Augenblick verweilst, wird deine Achtsamkeit geschult und verstärkt. Wenn du jeden Jetzt-Moment mit deiner ungeteilten Aufmerksamkeit erfüllen kannst, wird dein gesamtes Erleben, jede Begegnung zu einem großen Geschenk deines Daseins. Das Wichtigste, was du tun kannst, ist dir selbst die Gelegenheit zu schenken, wahrzunehmen was tatsächlich ist…ohne etwas steuern, verändern oder hinzufügen zu wollen.

Das pure SEIN, dem aktiven TUN vorziehen.

Wirklich achtsam zu Sein, bedeutet, sich Zeit für die jeweilige Gegenwart zu nehmen. Jeder bewusst wahr genommene Augenblick, ist ein Richtungsweiser für deine nächsten Schritte.
Nur wenn wir achtsam durch unser Leben gehen, können wir aus der Fülle und dem Reichtum der vielfältigen Möglichkeiten, die sich uns zur Verfügung stellen möchten, schöpfen. Durch deine Achtsamkeit bekommst du einen direkten Zugang zu deiner Intuition. Getroffene Entscheidungen erfolgen aus deinem tiefen, ruhigen Inneren und nicht mehr aus deinem lärmenden Verstand heraus.


Verkörperung des Erwarteten

Die allermeisten Menschen haben hohe Erwartungen. Diese stellen sie an ihr Umfeld, ihren Partner, ihre Kinder, ihre Freunde, ihren Chef und ebenso an sich selbst.

Sie warten stets auf etwas, was ihrer Meinung nach zu fehlen scheint. Was wichtig für ihr Befinden, für Ihr Auskommen, ihre Zufriedenheit, ihr Ansehen, ihren Status, ihr Glück, ihr gesamtes Leben ist. Doch inwiefern kann etwas Erwartetes Erfüllung bringen? Wie will ein Mensch etwas von außen erwarten, was er nicht hat und noch weniger selbst verkörpert?

Erst wenn wir in uns selbst das sind, was wir uns wünschen, kann sich dieses auch im Außen zeigen.

Egal was es auch sein mag, es ist entscheidend, es in dir bereits zu SEIN, bevor es durch deine Mitmenschen und in deinem Leben sichtbar werden kann. Es geht nicht darum etwas Bestimmtes zu tun, damit es wiederum etwas anderes Erwünschtes nach sich zieht. Es geht darum zu erkennen, das es einen ganz bedeutenden Unterschied ausmacht, ob ich etwas nur tue oder etwas tatsächlich bin.

Beim letzten Punkt geht es vordergründig darum, zu verstehen, dass jede Person entsprechend der eigenen Erfahrungs-, und Entwicklungsebene ihre eigene Bewusstheit erlebt und erfährt. Sogar eine zur selben Zeit gemachte Erfahrung von zwei Menschen, wird jeweils anders wahrgenommen und in einem unterschiedlichen Bewusstseinszustand erlebt.

Das Bewusstsein entsteht, wenn die individuelle, intensive Wahrnehmung von dem, was erfahren wird, das Wissen und infolge auch des Verstehens des Erlebten in Bezug auf unser Dasein, zusammentrifft. Wenn wir das Zusammenspiel aller möglichen Faktoren und der Tatsache, dass alles miteinander untrennbar verbunden ist, akzeptieren und als Resultat annehmen. Sich der vollkommenen Schöpfung bewusst zu sein, in der Bereitschaft, die höchste Realität entdecken zu wollen, ohne jegliche Form von Begrenzung.

Sich der Stille des freien und unabhängigen Geistes in dem Moment gewahr zu sein, um den Urgrund allen Seins erforschen zu wollen. Sobald wir uns in Gedanken befinden, lässt das Bewusstsein nach und unser Alltag folgt gewissen Automatismen im Bewegungs- und Handlungsablauf. Die bewusste Wahrnehmung des aktuellen Momentes ist so reduziert, dass eine objektive Betrachtung und daraus resultierenden Handlung unmöglich wird.

Bewusstes Erfahren gelingt aus einer rein beobachtenden, nicht wertenden Position heraus. In der bedingungslosen Annahme dessen, was sich dir zeigt. Es bedarf viel Übung, sich einer Situation, einer Erfahrung, dem eigenen Erleben vollkommen bewusst zu sein. Reines Gewahrsein und die Hingabe an das Leben selbst.

Werde dir deines Bewusstseins bewusst und erschaffe so eine neue und unverfälschte Wirklichkeit deines Daseins. Wenn wir in der Achtsamkeit verweilen, erledigt sich das Tun und wir können endlich auch Sein.


Stefanie Will ist freie Autorin und spirituelle, psych. Lebensberaterin sowie Entspannungstherapeutin. In ihrem Blog und in persönlichen Beratungen gibt sie ihre Erfahrungen und Erkenntnisse weiter, um Menschen auf ihrem spirituellen Weg zu begleiten.

www.stefanie-will.de

Bildnachweis: Fotograf Ewen Roberts, „Standing over the clouds“, CC-Lizenz (BY 2.0),
https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de, Bilddatenbank www.piqs.de

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