"Reißt diese Schulen ein!" von Roland Seidl (Rezension)

Ein Buchtipp in Zusammenarbeit mit Connection. Rezension von Marites Hötger

Reißt diese Schulen ein!

Roland Seidl

Kartoniert

€ 17,95 inkl. MwSt.
Unsere Schulen stecken in der Krise. Die Bildung fällt der Inflation anheim. Die Quote der Schulabbrecher steigt stetig, und Ausbildungsbetriebe ebenso wie Universitäten klagen gleichermaßen über mangelnde Qualifikation der Bewerber. Medien und Ministerien zeigen sich kreativ, wenn es an die Ursachenforschung geht. Hartz IV, mangelnde Integration von Migrantenfamilien, Internet und Killerspiele führen die Hitliste der medienwirksamsten Schlagwörter an. Eltern suchen die Gründe für schulische Schwächen mit Vorliebe im zu engen Lehrplan oder der Unfähigkeit der Lehrer; Lehrer beklagen schlechte Erziehung von Seiten der Eltern. Die Schuldzuweisungen reichen kreuz und quer, der schwarze Peter wird reihum weitergeschoben.

Lösungsansätze für die unbestreitbaren Probleme findet man dort jedoch nur selten. Roland Seidl setzt mit »Reißt diese Schulen ein!« an eben diesem Punkt an. Anhand der Erfahrungen seiner eigenen Lehrtätigkeit und unter Einbeziehung der Erkenntnisse anderer namhafter Autoren auf diesem Gebiet, analysiert er nicht nur die vorhandenen Probleme, sondern ist bemüht, kurzfristige Verbesserungsmöglichkeiten und langfristige Lösungsansätze aufzuzeigen. Hierbei bezieht er sich nicht allein auf die Wechselwirkungen zwischen Eltern, Schülern und Lehrern, sondern setzt auch auf realitätsnah gestaltete, lebendige Lehrpläne und eine motivierende Arbeitsatmosphäre für Schüler und Lehrer, beginnend bei der architektonischen Gestaltung der Schulen bis hin zur Abschaffung des Leistungsdrucks. Auch mangelnder Reformwille und die gesetzlichen Stolpersteine bei der Durchsetzung von Veränderungen werden eingehend thematisiert. Seidl schreibt wissenschaftlich fundiert und dennoch leicht verständlich. Damit gibt er Eltern, die sich kritisch mit unserem Schulsystem auseinandersetzen, die ideale Lektüre in die Hand, um Schulen und Ministerien zum Umdenken zu bewegen.

Zwar muten die Ideen und Ideale Seidls zeitweilig ein wenig utopisch an, das mag aber auch daran liegen, dass wir bereits so sehr an das eingefahrene System gewöhnt sind, dass es uns schwerfällt, an die Möglichkeit solch gravierender Veränderungen zu glauben. Wenn wir aber davon ausgehen, dass Bildung und Erziehung unserer Kinder direkten Einfluss auf die Entwicklung unserer Gesellschaft nehmen – und das lässt sich wohl kaum bezweifeln –, dann könnten diese Ansätze auf lange Sicht tatsächlich einen Anstoß für eine Entwicklung zum Besseren geben.

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