„SPEED – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Florian Opitz (Rezension)

Rezension von Doris Iding

Speed

Florian Opitz

Kartoniert

€ 17,95 inkl. MwSt.
Zeit nehmen und lesen!

Um Zuge seiner Vaterschaft hat der Autor festgestellt, das ihm etwas fehlt: Zeit. Und das, obwohl er sich ein großes Arsenal an technischen Geräten angeschafft hat, die ihm eigentlich Zeiterleichterung verschaffen sollten. Aber gerade sie sind es, die ihn dazu bringen, dass er sich im Internet verliert und seine Fähigkeit abnimmt, sich länger auf eine Sache zu konzentrieren. Dies verdeutlicht er dem Leser, indem er ihm einen Tagesablauf aus seinem Leben beschreibt.

Alleine bei dieser Beschreibung müssten sich mindestens 20 Millionen Deutsche wiedererkennen. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen, die sich immer nur darüber beklagen, dass ihnen Zeit fehlt, untersucht Opitz, warum er so viel Zeit verliert und macht sich auf die Suche nach den Ursachen seiner eigenen und unser aller Atemlosigkeit. In flüssiger und leicht lesbarer Form nimmt Florian Opitz den Leser mit auf eine Reise zu Fachleuten aller Seiten zum Thema ‚Zeit‘. U.a. geht er zu einem Zeitmanagementseminar von Lothar Seifert, lotet das Für und Wider einer digitalen Fastenzeit aus, befragt einen Burnoutarzt, der die Problematik der Menschen kennt, die dem Zeitdruck der heutigen Gesellschaft nicht mehr standhalten und besucht den renommierten Zeitforscher Harmut Rosa. In ihnen trifft er Gegnern, Befürwortern und jenen, die versuchen, einen Ausgleich zu finden zwischen Beschleunigung und menschlicher Sehnsucht nach Muße und Verarbeitung all dessen, was geschieht. Entstanden ist ein wichtiges Zeitdokument, dass verdeutlicht, wie krank die Zeit ist, in der wir leben. Ein wichtiges Thema, anregend dargestellt, ohne erhobenen Zeigefinger, besonders deshalb, weil Opitz sich selbst nicht ausschließt und immer wieder betont, wie schwer es ihm selbst fällt, sich Zeit zu nehmen und in einem gesunden Maße damit umzugehen. Deutlich wird, dass der Einzelne durch eine Auseinandersetzung mit der Zeit viel Bewusstheit über das eigene Verhältnis zurzeit und in Folge dessen über den eigenen Umgang mit der Zeit entwickeln kann. Er kann auch erkennen, wie er vielleicht sogar kurzfristig einmal aus dem gesellschaftlichen Hamsterrad aussteigen kann, aber es letztendlich doch die ganze Gesellschaft braucht, um umzudenken und um wieder ein gesundes Verhältnis zu dem zu bekommen, was das Leben so lebenswert macht: Muße und Zeit.

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